Vogelfreies Radio

Der Blog zum Thema Freies Radio und Piratensender in Deutschland

22.9.06

Radiotag 2006 in Erkrath

Seesender, Kurzwelle und NRW-Lokalfunk: Mit drei Schwerpunkten wartete der diesjährige Radiotag am 9. September 2006 in Erkrath auf.

Zur obligatorischen Offshore-Nostalgie liefen Videos u.a. über das Red Sands Fort (wo in den Sechzigern unter anderem Radio 390 sendete), und DJ-Veteran Graham Gill kommentierte Bilder aus den goldenen Zeiten der Radioschifffahrt.

An diese Ära erinnert auch Roland Rohde, wenn er jede seiner Sendungen mit "Man of Action" eröffnet, der Erkennungsmusik von Radio Northsea International. Anfang der 70er war RNI für ihn die Initialzündung, sich mit Radio zu beschäftigen. Dabei hat Rohde die Piraterie längst hinter sich gelassen. Der unabhängige Programmproduzent aus Schwerin stellte in Erkrath sein Projekt MV Baltic Radio vor, das seit April 2005 ganz legal über die Sendeanlagen von T-Systems in Jülich auf Kurzwelle kommt (am ersten Sonntag im Monat um 12.00 Uhr UTC auf 6045 kHz). Die Station präsentiert interessante oder wenig bekannte Musik. Aber auch Informationen über Mecklenburg-Vorpommern haben ihren Platz im Programm. Bis die Freigabe für Ausstrahlungen aus Deutschland vorlag, legten Rohde und seine Mitstreiter einen längeren Marsch durch die Instanzen zurück und sammelten Erfahrungen - mit dem Vorgängerprojekt, dem Stör-Sender, der über einen lettischen Sender auf 9290 kHz zu hören war. Eine eigene UKW-Frequenz in Mecklenburg-Vorpommern wäre eine feine Sache. Aber fehlende freie Zeit bremst vorerst das Hobby-Projekt.

Andere Sorgen hat zurzeit der Bürgerfunk in Nordrhein-Westfalen, der stundenweise das Programm der kommerziellen Lokalradios unterbricht. Die geplante Novelle des Landesmediengesetzes wird voraussichtlich an den finanziellen Grundlagen der Radiowerkstätten rütteln. An die Stelle der bisherigen Förderung nach gesendeten Minuten soll ein differenzierteres System treten. Es ist zu befürchten, dass den es Radiowerkstätten mehr Bürokratie und weniger Einnahmen bringen wird. Raphael Mader vom Interessenverband Gemeinnütziger Rundfunk (IGR) und Jürgen Mickley vom Landesverband Bürgerfunk (LBF) äußerten sich in Erkrath nicht unoptimistisch zur Zukunft der Radiowerkstätten. Für die Privatsender sind die ungeliebten Untermieter vielleicht doch das unverzichtbare Feigenblatt, um den Segen eines lokalen Gebietsmonopols zu rechtfertigen. Und die Bürgerfunker leiden auch nicht nur unter dem NRW-Zeitfenster-Modell: Sie erreichen viel mehr Hörer als wenn sie eine Frequenz für sich alleine hätten.